Friedrich Wilhelm von Seifert

Stabskapitän im preußischem R.Z.F. von Wolfersdorf

Friedrich Wilhelm von Seifert

Friedrich Wilhelm von Seifert

Stabskapitän im preußischen R.Z.F. von Wolfersdorf , 1. Bataillon Hamm
(als Lehrer kommandiert an die berühmte Schule in Bückeburg)

Herr von Seifert über sich selbst:

Mein Name ist Franz Friederich Wilhelm v.Seifert. Ich bin Stabs-Capitän im königlich preußischen Regiment „Wolfersdorf“, welches mit seinen Bataillonen in den westfälischen Städten Hamm und Soest garnisoniert.

Geboren wurde ich 1716, als Kind, einer an Kindern und Titeln reicher, aber eben nicht mit Geld gesegneter Familie, auf preußischem Gebiet im Amt Castrop. Mein Großvater erkannte früh die Nutzung von Steinkohle für die Befeuerung von Häusern und für Hüttenzwecke und begann früh mit der Förderung von Steinkohle.

Er begründete unserer Familie ein stetig wachsendes Unternehmen und schuf viele Arbeitsplätze.

Mein Vater, den man in unsere Gegend nur den „schwarzen Kohlenteufel“ nannte, ließ den Betrieb wegen seiner maßlosen Trunksucht und Spielschulden verkommen. Bald waren die Bergwerke abgesoffen und die Betriebe verkauft. Auch verließen uns die Arbeiter da mein Vater den Lohn nicht zahlte.

1730 beschloss mein Herr Vater, dem mein Unterhalt wohl zu teuer wurde, mich und meinen Zwillingsbruder in preußische Dienste zu geben. So ging es nach einigem Schriftverkehr und Mühen am 01.08.1732 nach Hamm in die Garnison des Regiments von Waldow. Dort trat ich als Freikorporal ein. Da mein Vater immer zum König von Preußen hielt und die Wohltaten die der Vater unseres jetzigen Königs dem Land und der Armee tat , im stillen zusprach, aber auch starke Zuspruch an seinem Jähzorn und anderen Grobheiten fand, wurde ich völlig ungebildet dem Regiment überstellt. Die Sprache unserer Zeit, nämlich Französisch, die mein Vater bei seinen Saufgelagen nur die Sprache der Kanallien und Hundsfötter nannte, lernte ich ebenso wenig wie Latein. Ich kann mich noch gut erinnern als ich als 14 jähriger Knabe die Reise nach Hamm antrat, mein Vater mir zum Abschied eine schallende Ohrfeige gab und sagte: „Kerl, merke Dir Auge um Auge, Zahn um Zahn zieh deinen Degen immer zu Ehren Gottes, dann des Königs und dann gegen die Franzosen.“ Diese Worte und Taten prägten sich dermaßen ein so dass ich mir schwor nie ein Glas Branntwein anzurühren und meine Kerls hart aber gerecht für den König zu führen.
So erklomm ich in den Jahren bis heute die Militärische Laufbahn die mit viel Schweiß, Hunger und heimlichen Tränen mich endlich zum Ziel führte, nämlich meiner eigene Kompanie. Dazu gehörten auch Einsätze als Werber an die ich mit viel Freunde zurückdenke, brachten sie doch die Abwechselung aus dem grauen Alltag der Garnison.

An eine Werbung erinnere ich mich besonders gern, brachte ich doch einen jungen Seidenweberlehrling, der nach Krefeld in die Lehre wollte, dazu eine ganz andere Lehre anzufangen, nämlich die des Soldaten. War das ein Spaß als er völlig betrunken gemacht von meinen Unteroffizier, endlich nach einer langen Nacht den Vertrag unterschrieb, sein Gesicht sehe ich heute noch vor mir als er das erste Mal auf dem Hammer Exerzierplatz stand.

Durch einige Geldprobleme, in die ich leider gekommen war, konnte ich mit meinem Zwillingsbruder der in Prenzlau beim Regiment „Erbprinz von Darmstadt„ auch als Stabs-Capitän steht, einig werden und einen Kerl aus Westfalen im Tausch gegen den Seidenweber in die Heimat überführen.

Derzeit befinde ich mich, abkommandiert durch unseren allerdurchlauchtesten Landesherrn, an der berühmten Kriegesschule zu Bückeburg. Durch diese mir durch meine Vorgesetzten verschaffte Gelegenheit erweitere ich derzeit mein Können und Wissen bei dem dafür wohl denkbar geeignetsten, Graf Wilhelm.
Eine gute Gelegenheit, denn es kann in diesen Zeiten immer wieder vorkommen dass unsere Kompanie ausrücken muss um mit unserem Herrn für seine gerechte Sache zu streiten.